Vor dem Relaunch
Ziele definieren
Warum relaunchst du? „Die Website ist alt“ ist kein Ziel. „Mehr Anfragen über das Kontaktformular“, „Bessere Rankings für unsere drei Kernleistungen“ oder „Selbst pflegbar ohne Agentur“ sind Ziele. Sie entscheiden über Struktur, Design und Technik. Schreib sie auf, bevor du mit einer Agentur sprichst.
Bestandsaufnahme: Was rankt heute?
Exportiere aus der Google Search Console alle Seiten mit Klicks und Impressionen der letzten zwölf Monate. Diese Seiten und ihre Suchbegriffe sind dein Kapital. Jede davon braucht nach dem Relaunch entweder eine gleichwertige Seite oder eine saubere Weiterleitung. Ohne diese Liste relaunchst du blind.
Alle URLs erfassen
Crawle die alte Website mit einem Tool wie Screaming Frog oder nutze die Sitemap, um wirklich alle URLs zu erfassen, auch PDFs, Bilder und vergessene Unterseiten. Diese Liste ist die Grundlage für die Redirect-Tabelle.
Inhalte ehrlich bewerten
Welche Seiten bringen Traffic, welche Anfragen, welche nichts? Gute Inhalte übernehmen und verbessern, schwache zusammenlegen oder streichen. Aber: Streichen heißt weiterleiten, nicht löschen.
Während des Relaunchs
URL-Struktur festlegen
Wenn möglich, behalte funktionierende URLs bei. Jede geänderte URL braucht eine Weiterleitung und verliert kurzzeitig etwas Signal. Neue URLs sollten kurz, sprechend und logisch sein: /leistungen/webdesign statt /index.php?id=42.
301-Redirects anlegen
Für jede alte URL, die sich ändert oder wegfällt, eine permanente Weiterleitung (301) auf die passendste neue Seite. Nicht alles auf die Startseite, das wertet Google als Soft-404. Die Redirect-Tabelle ist das wichtigste Dokument des Relaunchs.
Meta-Daten und Überschriften übernehmen
Title-Tags, Meta-Descriptions und H1-Überschriften der gut rankenden Seiten sollten erhalten oder gezielt verbessert werden. Oft werden sie beim Relaunch mit Platzhaltern überschrieben, und niemand merkt es.
Interne Verlinkung neu denken
Ein Relaunch ist der Moment, die interne Verlinkung zu verbessern: Jede wichtige Seite sollte von der Navigation, aus Texten und aus dem Footer erreichbar sein. Verwaiste Seiten werden von Google kaum beachtet.
Tracking und Consent neu einrichten
Google Analytics, Tag Manager, Conversion-Tracking und das Cookie-Consent müssen auf der neuen Website sauber laufen, bevor sie live geht. Teste Formular-Conversions auf der Staging-Umgebung.
Performance und Mobile prüfen
Die neue Website sollte die Core Web Vitals erfüllen und auf dem Smartphone schneller sein als die alte. Prüfe mit PageSpeed Insights auf der Staging-Umgebung, nicht erst nach dem Launch.
Staging vor Google verstecken
Die Testumgebung darf nicht indexiert werden, sonst konkurriert sie mit der Live-Seite. Nach dem Launch muss die Sperre aber entfernt werden. Einer der häufigsten Relaunch-Fehler ist ein vergessenes noindex.
Nach dem Launch
- Redirects testen: Alle alten URLs aus der Liste aufrufen, jede muss mit 301 auf die richtige Seite führen.
- noindex und robots.txt prüfen: Die Live-Seite muss indexierbar sein.
- Sitemap einreichen: Neue XML-Sitemap in der Google Search Console hinterlegen.
- Search Console beobachten: In den ersten Wochen täglich auf Crawling-Fehler, 404-Seiten und Rankingveränderungen achten.
- Google Unternehmensprofil aktualisieren: Website-Link, Fotos und Leistungen anpassen.
- Backlinks prüfen: Externe Links, die auf alte URLs zeigen, sollten weitergeleitet sein. Wichtige Partner kannst du um Aktualisierung bitten.
- Monitoring einrichten: Erreichbarkeit, Ladezeit und Conversions laufend messen.
Die häufigsten Relaunch-Fehler
- Keine oder unvollständige Redirects.
- Alle alten URLs auf die Startseite weitergeleitet.
- Gut rankende Inhalte gekürzt oder gelöscht, weil sie „nicht mehr zum Design passen“.
- noindex aus der Staging-Umgebung mit live genommen.
- Tracking nicht übernommen, Conversions werden nicht mehr gemessen.
- Launch am Freitagnachmittag ohne jemanden, der am Wochenende reagiert.
Fazit
Ein Relaunch ohne Rankingverlust ist kein Glück, sondern Handwerk: Bestandsaufnahme, Redirect-Tabelle, Übernahme der Meta-Daten, Tests und Monitoring. Wer diese Punkte abarbeitet, gewinnt mit dem Relaunch Sichtbarkeit, statt sie zu verlieren. Wer sie überspringt, zahlt zweimal.